Wenn der laut schreiende Animateur seine T-Shirts und Plastikfiguren verteilt und das Mikrofon an die Entwickler von Risen 2 abgegeben hat, ist es tatsächlich möglich, Informationen zum Spiel zu bekommen, anstatt sich zwischen “Hände hoch, wer noch kein Poster hat” und “Seid ihr gut drauf!?” zu fragen, ob es das denn wirklich wert ist. Geduld wird belohnt, und so drangen ein paar interessante Neuigkeiten durch.
Kurz zur Einordnung: Risen, erschienen 2009, ist der inoffizielle Nachfolger der Gothicreihe, deren Titel zu den atmosphärisch dichtesten Open-World-Rollenspielen zählen. Den Entwicklern Piranha Bytes gelingt es dabei immer wieder, eine Spielwelt zu erschaffen, die lebendig und dreckig wirkt und es wert ist, erforscht zu werden. Mit einem soliden Kampf- und Charakterentwicklungssystem ergeben sich so Rollenspiele, die für längere Zeit fesseln.

Vom mediterranen Fantasysetting aus dem ersten Teil wurde nun der Fokus in eine karibikartige Piratenwelt verlagert. Wie schon im Addon zu Gothic 2 wird es also möglich sein, bei den Piraten anzuheuern. Mindestens zwei Fraktionen kennen wir also schon, die Piraten und die aus dem ersten Teil bekannte Inquisition. Darüber hinaus soll es weitere Fraktionen geben, für die man sich entscheiden kann. Anders als im ersten Teil hat dies auch Auswirkungen darauf, wie wir von den anderen Fraktionen behandelt werden.
Die Welt ist dabei unterteilt in verschiedene Inseln, zwischen denen per eigenem Schiff gereist werden können soll. Innerhalb einer Insel kann jeder bereits besuchte Ort per Schnellreisesystem angewählt und besucht werden. Hier scheinen sich die Entwickler dem weichgespülten Massenmarkt beugen zu müssen und erweitern ihr Spiel um Komfortfunktionen, die es vorher so nicht gab: Um zu einem bestimmten Ort schneller zu kommen als zu Fuss, musste bisher erst die jeweilige – meist gut versteckte – Teleportationsrune gefunden werden.
Die Charakterentwicklung ist serientypisch relativ frei, und man kann, wenn man den richtigen Lehrer findet, jedes seiner Attribute steigern und ist nicht durch Klassenwahl eingeschränkt. Es gibt nun zum ersten mal Schusswaffen, und so kann man auch mit den Mechaniken des Spiels voll dem Piratensetting folgen. Dazu passt, dass Gold ein wichtiger Gameplaybestandteil werden soll. War Gold schon immer recht wichtig, etwa um den Lehrer zu bezahlen, der die eigenen Fähigkeiten steigert, dreht sich als Pirat das Leben noch mehr um harte Währung.

Das Magiesystem wird geändert, die Elementarmagie fliegt raus. Stattdessen wird auf Nachfrage große Geheimniskrämerei betrieben, welche Art von Magie verwendet werden kann. Das fünfte Attribut im Charakterfenster war während des Anspielens am Risen-Stand dann auch mit “GEHEIM” umschrieben, die Voodoopuppe als Icon lässt aber doch mit ziemlicher Sicherheit auf etwas wie Voodomagie als Magieform schließen.
Der erste Eindruck beim Anspielen war durchweg positiv, das ganze Spiel ist wesentlich polierter als noch der erste Teil in der ersten Präsentation, der ja bereits durch seine fehlenden Bugs auffiel. Besonderes Augenmerk wurde dabei auf die Animationen gelegt, und zum ersten Mal in der Piranha Bytes-Geschichte wurde Motion Capturing statt der sonst üblichen händischen Keyframe-Animation eingesetzt. Das ist sichtbar. Oh Boy, Risen 2 sieht gut aus, wesentlich besser als der Vorgänger. Ich war wirklich überrascht, wie auf so einem kleinen Stück wie dem Demogebiet derart viel Atmosphäre erzeugt werden kann; sogar die Feldarbeit zum Beginn des zweiten Gothicteils ist wieder dabei. Zwar Trivial, aber extrem immersiv. Die Beleuchtung macht einen großen Schritt nach vorne, ist aber noch nicht final. Neu ist auch, dass sich NPCs, die sich der Gruppe anschließen, nicht nur möglichst intelligent verhalten, sondern auch in Gespräche mit anderen NPCS einmischen können und so nicht nur im Kampf verstärkendes Beiwerk sind oder für eine Quest eskortiert werden müssen, sonder tatsächlich zu lebendigen und interessanten Personen werden. So die Theorie. Ob das wirklich so funktioniert, wie vollmundig angekündigt, darf naturgemäß zumindest angezweifelt werden. Ich bin gespannt! Was funktioniert wie gewohnt ist dagegen, dass die Einwohner der Inselarchipels Diebstahl oder andere Gesetzesverstöße bemerken und entsprechend reagieren. Das wird ausgeweitet, und so wird etwa der fast unbekleidete Held von den Wachen beim Versuch, den Gouverneur zu sprechen, zuerst gewarnt, möglichst schnell das Weite zu suchen, dann angegriffen; trägt er dagegen die richtige Kleidung, darf er passieren.

Ein größerer Kritikpunkt des ersten Risen-Teils betraf die Handlung, die sich fast komplett in den ersten zwei Kapiteln abspielte und sich in Kapitel drei und vier so zuspitzte, dass fast nur noch einzelne Dungeons zu betreten waren und Nebenquests in der ganzen Welt fehlten. Björn Pankratz, Lead Game Designer von Piranha Bytes, wurde denn auch nicht müde zu betonen, dass der Fehler nicht wiederholt würde und sich die Welt wie die Handlung über die Kapitel immer weiter ausweite. Auch – und das hat schon in Gothic 2 die Welt sehr lebendig gemacht – sollen sich wesentliche Teile der Welt zwischen den Kapiteln ändern, und so lohne es sich immer, bereits besuchte Gebiete nochmals zu betreten.
Die Welt betreten wird man dann auch schon Anfang 2012 können, im ersten Halbjahr soll das Spiel erscheinen. Angesichts des ausgereiften Zustands des Spiels scheint das auch durchaus realistisch.