[Review] L.A. Noire
Die Männer tragen Anzüge und Hüte, überall darf geraucht werden und die Nadeln in den Jazz Clubs kratzen über ausgeleierte George Gershwin Platten. Nadeln spielen sowieso eine große im L.A der späten 40er. Die Stadt der Engel. Hierhin versetzte mich meine letzte Zeitreise, denn irgendwie sind Spiele ja so etwas. Nur ohne die 1,21 Gigawatt für den Delorean. Knapp drei Monate nach Release habe auch ich endlich mal L.A. Noire gespielt und bin längst nicht so begeistert wie viele andere in der Blogosphäre. Versteht mich nicht falsch, L.A. Noire macht viel richtig und eher wenig falsch, aber der letzte Schliff fehlt mir.
Also Medias in res. Beginnen wir bei der Optik: Grafisch kann man nicht meckern, denn die viel gelobten Gesichtsanimationen sind wirklich so gut wie angekündigt und auch über den Grafikstil generell lässt sich nichts Schlechtes sagen. Stören tut mich lediglich, dass alles zu bunt ist. Der überaus stimmige Menübildschirm ist das einzige Element im Spiel – gut und die fünf Sekunden dauernden Titelbildschirme der Fälle – die eben dieses typische film noir Feeling aufkommen lassen. Da hätte mir gewünscht, dass Team Bondi vielleicht mit Filtern gearbeitet hätte. Und kommt mir jetzt nicht mit dem optionalen Schwarz-Weiß Modus, der ist eher lächerlich. Ansonsten war’s das im Grunde von technischer Seite. Die Steuerung geht locker von der Hand, die Fahrzeuge steuern sich gut, meiner Meinung nach sogar besser als etwa in einem GTA IV, so dass ich kaum Personen- oder Sachschaden, was die Bewertung der Fälle ja herabsetzt, zu verzeichnen hatte.
Die Fälle erinnern vom Ablauf zunächst immer erst an ein Adventure. Tatorte nach Indizien absuchen und Personen befragen. Macht am Anfang erst Spaß, irgendwann wird’s leider nur noch nervig. Wenigstens ein paar nette Sprüche hätte man einbauen können, die mein Phelps ablassen könnte, wenn ich unwichtige Dinge aufhebe, aber so macht das rumsuchen zwischen Bierflaschen, Zigarettenpackungen und Haarbürsten auf Dauer dann keinen Spaß. Die Personenbefragungen und Verhöre fand ich durchaus gut, lediglich die etwas undurchsichtige Beweisführung, falls man eine Person des Lügens strafen will, machte mir an der einen oder anderen Stelle Probleme. Manchmal weiß man einfach nicht, auch wenn man sich ziemlich sicher ist, dass die Person lügt, mit welchem der gesammelten Beweise ich es auch nachweisen kann. Oft zweifelte ich auch die offensichtliche Lüge dann einfach nur an, da ich nicht wusste welcher meiner Clues jetzt der Beweis ist. Das heißt dann entweder nochmal durch das schlecht designte Log zu wühlen oder raten und ggf. das Verhör neu laden, denn man will ja für die Bewertung am Ende möglichst viel richtig haben. Die Bewertung der Fälle ist eh so eine zweischneidige Sache. Einerseits find ich es gut nach einem Case sehen zu können ob ich alle Clues gefunden habe und welche Aussagen der Zeugen und Verdächtigen ich richtig gedeutet habe, doch während des Falls hat man diese Statistik irgendwie immer im Hinterkopf und ich hab oft eine Stelle neu geladen um auch wirklich alle Antworten in den Verhören richtig zu haben. Dies verändert dann aber meine persönliche Erfahrung mit der Storyline und hinterlässt immer einen faden Nachgeschmack. An einer Stelle, zwei Arschlöcher habe ich in die Verhörräume bringen lassen, muss ich mich Entscheiden welchen Verdächtigen ich einbuchten will und versage ein bisschen im Verhör, so dass ich den falschen Mann hinter Gitter bringe. Die Quittung kommt dann vom Chief, der mich anschreit und für unfähig erklärt. Also lade ich neu, da ich ja weiß, dass der Fall jetzt nicht mehr mit fünf Sternen abgeschlossen werden kann, mache diesmal alles richtig und ernte ein gut gemeintes Schulterklopfen vom Boss. Hätte man die Bewertung komplett weggelassen, wäre es halt MEINE Lösung für den Fall gewesen. Das Spiel nimmt sich vor eine Geschichte zu erzählen, in der ich als Spieler die Fäden in der Hand halte, doch gibt mir dann durch diese Bewertung wieder vor, was denn nun der richtige Weg gewesen wäre. I don’t like!
Mein nächser Kritikpunkt ist eigentlich einer, den viele wohl nicht einsehen werden. Ich weiß, L.A. Noire will kein Open World / Sandbox Titel sein, aber warum nicht? Ich werde in eine wunderbar gestaltete Stadt entführt, in der ich mich zwar frei bewegen kann, aber außer herumfahren und mir hier und da ein paar Sehenswürdigkeiten angucken, kann ich leider nichts machen. Die Stadt ist riesig, aber leider irgendwie uninteressant. Nach drei, vier Cases habe ich mich nur noch von meinem Partner fahren lassen, da es sowieso nicht viel zu entdecken gibt. Außer den Gebäuden die für die Fälle relevant sind kann ich kaum eins betreten. Ich weiß, dass Sandbox letztlich immer nur Spielerei ist, wenn ich bowlen fahren oder mich im Shop mich neu einkleiden kann, aber das gibt der Welt in der ich mich befinde eine gewisse Tiefe, die mir leider bei L.A. Noire etwas gefehlt hat.
Abschließend komme ich noch kurz auf die Story zu sprechen. Eigentlich bin ich damit durchaus zufrieden, die Cases, vor allem die des Morddezernats sind spannend, doch einige Schnitzer lassen sich auch hier verzeichnen. Ein Beispiel, aber Achtung [Spoiler]: Außer in einer der optionalen Zwischensequenzen, die ich durch das Aufheben von Zeitungen freischalte, erfahre ich nichts von der Affäre meines Charakters mit der Jazzsängerin Elisa, die ja letztlich zu seinem Rauswurf aus dem Vice- Dezernat führt. Hier frage ich mich z.B. warum konnte man das nicht, wie z.B. in GTA IV mit der verdeckten Ermittlerin, vernünftig einflechten? Eine richtige Identifikation mit einem Charakter in einem Videospiel baue ich doch nur auf, wenn ich zu ihm werde und alles über ihn während der Story weiß. Mag sein, dass der Kritikpunkt schwach ist, aber die Stelle gefiel mir einfach nicht. [/Spoiler] Im Allgemeinen hat mir L.A. Noire Spaß gemacht und ich werde es auch sicherlich, wenn einige Zeit vergangen ist und ich dank meiner Vergesslichkeit mich nicht mehr an die Fälle erinnern kann, nochmal spielen. Mit gut 14 Stunden Spielzeit ist es nicht zu lang und konnte mich zumindest gut unterhalten, aber mein Anwärter auf den Top Titel des Jahres ist es leider nicht geworden.










